Hospitality Branche
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Schweizer Hotellerie sucht gut ausgebildetes Personal

EHL Insights
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Die Hochschule Ecole hôtelière de Lausanne (EHL) ist das Ausbildungs-Flaggschiff der Schweizer Hotellerie.

Mit einer 125-jährigen Tradition und mit sehr viel Innovationskraft setzt die EHL als Hospitality-Schule weltweit Massstäbe für erfolgreiche Hotelfach-Ausbildungen. Die Swiss School of Tourism and Hospitality (SSTH), die Bündner Hotelfachschule in Passugg, profitiert seit 2013 von einer starken Partnerschaft mit der EHL. Michel Rochat, CEO der EHL Group, erläutert im Gespräch die starke Wechselwirkung von Theorie und Praxis.

Michel Rochat, der CEO der EHL (links), im Gespräch mit Martin Michel, dem stellvertretenden Amtsleiter beim Amt für Höhere Bildung Graubünden.

Herr Rochat, wie war Ihr Werdegang an die Spitze der EHL Holding?

Ich bin 2004 in den Stiftungsrat der EHL eingetreten. Nach sechs Jahren wurde ich zum Direktor der Schule gewählt. Vor dieser Zeit leitete ich im Erziehungsdepartement des Kantons Waadt die Hochschulausbildung. Ich kenne somit die Aspekte der Hochschulausbildung aus dem staatlichen und aus dem unternehmerischen Blickwinkel und weiss, dass beide Seiten wichtige Beiträge für das Gelingen des ausgezeichneten Schweizer Bildungssystems leisten. Vor drei Jahren wurde ich zum CEO der EHL-Group gewählt. In dieser Führungsposition stehe ich auch an der Spitze unserer wunderbaren Hotelfachschule SSTH in Passugg. Insgesamt wurden etwa zehn Schulen mit eigenen Managementsystemen von der EHL-Gruppe zertifiziert, beispielsweise in China, Indien, Afrika oder Thailand. Ich selbst habe zwei verschiedene Ausbildungen: An der Universität von Lausanne als Ökonom und an der ETH Lausanne als Ingenieur. Diese beiden Fachrichtungen haben meinen beruflichen Werdegang geprägt und unterstützt.

Welche Beziehung haben Sie zur Ausbildung eines Hoteliers?

Ich denke, wir müssen heute mehr praxisorientiert sein als in der Vergangenheit. Heute benötigen die Hoteliers spezifische Fähigkeiten, was wir bei der Organisation der Ausbildung berücksichtigen müssen. Ich bin nicht so sicher, ob wir in 20 Jahren den Master und den Bachelor noch in der heutigen Form anbieten. Ich denke, wir benötigen ein Bildungsangebot sehr nahe beim Hotelier, jedoch immer in Verbindung von Theorie und Praxis, sowie ausgerichtet auf die Anforderungen einer digitalisierten Welt. Die Infrastruktur unserer Schulen wird immer ein wichtiges Werkzeug für die Ausbildungsinhalte sein. Dies zeigt sich an der offenen Gestaltung unseres Campus hier in Lausanne – mit grösstmöglicher Transparenz, viel natürlichem Licht und einem engen Bezug zur Aussenwelt. Hinter dieser Konzeption steckt der Anspruch der Offenheit gegenüber dem Hotelgast und der offene Blick auf das Umfeld. Diese Spannungsfelder sollen die tägliche Arbeit und die Ausbildung zum Hotelier prägen. Da wir stark digital ausgerichtet sind, haben wir zwei Start-ups im digitalen Bereich gekauft, das ermöglicht uns, in den nächsten zwei Jahren mit ganz neuen und innovativen Konzepten auf dem Markt zu sein. Diese Startups sind im Bereich Hotellerie und Tourismus tätig und auch die SSTH Passugg wird in diesem Entwicklungsprozess voll integriert sein. Damit schreiten wir weiter auf dem Weg der Innovation, der die EHL seit 125 Jahren prägt.

Welches sind denn die aktuellen Herausforderungen und Projekte der EHL?

In der Schweiz gilt es, Passugg weiterzuentwickeln, die neuen Ausbildungswege zum Bachelor zu fördern und die angewandte Forschung unter Einbezug der Bündner Hotellerie aufzubauen. Das benötigen wir, da wir eine Bachelorklasse in Passugg haben. Im Ausland werden wir 2021 in Singapur einen ganz neuen EHL-Campus eröffnen. Ziel ist es, 2000 Studentinnen und Studenten zu haben. Der dritte EHL Campus wird wahrscheinlich in Südafrika entstehen. Diese Projekte erfordern moderne Studienangebote und eine attraktive Infrastruktur. Dazu müssen wir auch digital massiv investieren: in Online-Kurse, Blended-Learning-Systeme und so weiter. Das sind die nächsten Schritte der EHL.

Welche Vision prägt heute die EHL?

Gemäss unserer Vision verstehen wir uns als Botschafter der Schweiz: Qualität, Innovation und Praxisorientierung. In der Schweiz haben wir das duale Bildungssystem mit Berufsbildung und Allgemeinbildung, und ich denke, wir sind gute Botschafter dieses dualen Systems in und aus der Schweiz. Für mich ist es wichtig, in der EHL auf der Grundlage des dualen Systems mit Theorie und Praxis die Digitalisierung voranzutreiben und zu implementieren. Das müssen wir unbedingt. Ebenso stehen wir in der Verantwortung, herausfordernde und spannende berufliche Laufbahnen zu ermöglichen. Ich denke dabei nicht nur an Karriere, ich denke auch an die Persönlichkeit jedes Einzelnen. Das ist wie eine Waage, die das Gleichgewicht von Beruf und Persönlichkeit ermöglicht. Für das engagieren wir uns jeden Tag.

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Diese Vision wirkt sich ebenfalls auf die Architektur der EHL aus?

Ich würde sagen, unsere Architektur macht 30 Prozent der Ausbildung aus. Sie fördert ein Verhalten, welches von Offenheit und Transparenz geprägt ist und unseren Werten entspricht. Es gibt zum Beispiel nur sehr wenige Wände. Zusammen mit den vielen Fenstern vermittelt dies eine Botschaft. Heute haben wir auf dem EHL-Campus knapp 3000 Studierende, und diese können den ganzen Betrieb überblicken. Die Wirkung der Architektur wird unbewusst aufgenommen und prägt dadurch die Ausbildung. Wenn unsere Studierenden dann in einem Hotel arbeiten, merken sie schnell, welchen Einfluss die Architektur auf das Wohlbefinden der Gäste und die Kreativität der Mitarbeitenden hat.

Wie läuft die Zusammenarbeit zwischen der EHL und der SSTH Passugg?

Sehr gut! Als Schweizer bin ich stolz, dass diese beiden Sprach- und Kulturregionen zusammenarbeiten. Es ist eine Stärke der Schweiz, dass wir über die Sprachgrenzen hinweg und unter Einbezug der verschiedenen Ausbildungssysteme auf Stufe berufliche Grundbildung, Höhere Fachschule und Fachhochschule zusammenarbeiten. Auf der Grundlage dieser Schweizer Perspektive haben wir eine ganzheitliche Vision mit ambitiösen Zielsetzungen für die SSTH in Passugg, basierend auch auf den zahlreichen Gemeinsamkeiten der Waadt und Graubündens. Als Schweizer bin ich sehr froh, diese Entwicklung vorantreiben zu können. Und glauben Sie mir, wir sind erst am Anfang! Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Lausanne und Passugg erfolgt zwischen den Studierenden, den Dozierenden, den Schulleitungen, den Finanzdiensten, den strategischen Gremien, den Infrastrukturplanern sowie immer in engem Kontakt zum Kanton Graubünden. Die Zusammenarbeit zwischen Lausanne und Passugg zeigt, dass Sprach- und Kulturgrenzen immer auch Berührungspunkte sein können. Als Bürger dieses Landes ist es für mich eine Verpflichtung, diese Berührungspunkte aktiv für gemeinsame Projekte zu nutzen. Wir haben hart dafür gearbeitet, dass die Ampeln zwischen Lausanne und Passugg heute auf Grün stehen.

Was zeichnet den erfolgreichen Hotelier oder die erfolgreiche Hotelière aus?

Ich denke, die jungen Leute von heute wollen Werte und Visionen haben. Die Werte und Visionen der EHL erleichtern unseren Studentinnen und Studenten den aktiven Zugang zur Hotellerie. Die Branche profitiert davon durch Qualität, Innovation und Leistungsbereitschaft. Ein Beispiel: Jedes Jahr haben wir eine Job-Messe. In der Vergangenheit war die erste Frage der Studierenden: Wie viel bezahlen Sie? Wie viele Wochen Ferien haben wir? Heute sind die Fragen ganz anders: Wo sind sie? In Graubünden? In St. Moritz? Was sind Ihre Werte? Was ist Ihre Vision? Was für Leistungen bringen sie ihren Gästen im Hotel? Und die Jungen erwarten eine Antwort. Die Hoteliers werden künftig gegenüber den Gästen und den Mitarbeitenden für ganz fokussierte Werte einstehen. Ich glaube an die neue Generation von Leuten und wäre gerne nochmals 30 Jahre alt.

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