Unternehmensführung
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Wie schafft man einen grossartigen Arbeitsplatz?

Pascal Gauthier
Verfasst von

Ein doppelter Gewinn für die EHL

10_2020-09_2021_DEEs war aus vielen Gründen ein geschäftiger und einzigartiger Start in das neue Studienjahr hier bei der EHL, vor allem im Zusammenhang mit der Implementierung innovativer Lehrmethoden wie etwa dem HyFlex Modell und der Anpassung an die notwendigen globalen Veränderungen.

Zu meiner grossen Freude und Zufriedenheit haben wir vor kurzem zwei renommierte Auszeichnungen in Bezug auf die Arbeitgeberzertifizierung erhalten. Die Zeitschrift Bilan hat uns (das dritte Jahr in Folge) in seiner Kategorie Bildung als « Besten Arbeitgeber » der Schweiz in Bezug auf bewährte Verfahren im Personalwesen in der Westschweiz nominiert, während die Organisation A Great Place to Work (GPTW) uns bescheinigt hat, dass wir in der Tat ein attraktiver Arbeitgeber sind.

Aufgrund dieses grossartigen doppelten Gewinns wurden mir viele Fragen gestellt. Wie läuft die Zertifizierung für Arbeitgeber ab? Welche Massnahmen hat die EHL ergriffen? Welche Tipps kann ich anderen Unternehmen geben? Wie erhält man solch eine Auszeichnung? Worin bestanden die grössten Herausforderungen?

Ich werde versuchen, die Gründe darzulegen, weshalb die EHL meiner Meinung nach diese beiden Auszeichnungen verdient. Sie basieren auf der Grundlage langjähriger Arbeit, auf einer Kultur des Vertrauens, einem starken Gefühl von Stolz, Motivation und Identifizierung und letztlich einem Engagement zur Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber.

Warum nimmt die EHL am Zertifizierungsprozess teil?

Im Allgemeinen bin ich ein grosser Anhänger von den Vorteilen einer objektiven Sichtweise. Wir erhalten die Möglichkeit, zu verstehen, wer wir sind und wie wir von aussen und von innen wahrgenommen werden (das Label GPTW analysiert zum Beispiel, wie Mitarbeiter in ihrem Unternehmen wahrgenommen und wertgeschätzt werden).

Diese Arbeitsplatz-Rankings sind eine wichtige jährliche Bewertung, bei der Unternehmen mit ähnlicher Grösse, Art, ähnlichen Ressourcen und ähnlicher Stellung verglichen werden. An der Spitze zu stehen bestärkt nicht nur darin, der Beste zu sein, sondern trägt auch wesentlich zur Schaffung eines « Markenbotschafters » bei, was eine weitaus stärkere Botschaft vermittelt als jede Form von Werbung oder PR.


Mehr Informationen über das Profil der Ecole Hôtelière de Lausanne finden Sie auf Great Place to Work


Welche Vorteile bietet das Label?

Erstens dient die Zertifizierung der Bewahrung der fundamentalen Werte der EHL und zeigt auf, wie sie in unserem täglichen Berufsalltag integriert sind. Vor ein paar Jahren hat die Hotelfachschule 500 Studenten, Alumni und Mitarbeiter versammelt und sie gebeten, fünf Schlüsselbegriffe zu erarbeiten, welche die EHL repräsentieren. Die Werte, die von einem externen Unternehmen gesammelt und zusammengestellt wurden, lauteten Exzellenz, Familie, Respekt, Lernen und Innovation.

Die EHL legt grossen Wert darauf, diese Werte täglich in Wort UND Tat umzusetzen - mit anderen Worten, sie sollen nicht nur leere Worte auf einem Werbeplakat sein! Unsere Werte stellen auch eine Art Markenidentität dar. EHL, Alumni und Mitarbeiter sind anhand dieser Werte leicht zu identifizieren.

Zweitens trägt das Gütesiegel sehr stark zur Erhaltung von Bindung, Loyalität und Motivation bei - die wichtigsten Ziele, die jedes Unternehmen für seine Mitarbeiter anstrebt. Wie kann man diese Eigenschaften am besten fördern? Durch klare Identität, Werte und Ausrichtung des Unternehmens, die am Arbeitsplatz vermittelt und dann von einem externen Standpunkt aus reflektiert werden.

Wie funktioniert der Prozess?

Zeitschrift Bilan

Bilan ist ein zweiwöchentlich erscheinendes Schweizer Wirtschaftsmagazin in französischer Sprache, das in Genf publiziert wird. Die Jurymitglieder setzen sich aus dem Chefredakteur und verschiedenen Journalisten zusammen, die einen bestimmten Fragebogen mit einer auf Punkten basierenden Matrix bewerten, den jedes teilnehmende Unternehmen ausgefüllt hat.

Die EHL hat drei Jahre in Folge die Auszeichnung als beste Arbeitgeberin in der Kategorie Bildung und mittelständische Unternehmen erhalten. In diesem Jahr stehen wir in der Gesamtwertung der Unternehmen auf Platz 7 - eine sehr gute Position, die es zu halten gilt. Vaudoise Assurances, La Mobilière und Procter & Gamble liegen vor uns (Interessant ist, dass diese Unternehmen alle Vaterschaftsurlaub gewähren und über interne Kinderkrippen verfügen).


Die GPTW-Organisation

Die Great Place to Work-Organisation verfolgt möglicherweise einen tiefergehenden Ansatz zur Erfassung ihrer Kriterien, zum einen, weil sie die Beteiligung der Arbeitnehmer miteinbezieht, und zweitens, weil sie sowohl im Bereich Zertifizierung UND Labelisierung agiert.

GPTW bat mich, ein « Culture-Audit » zu erstellen, während zur gleichen Zeit Mitarbeiter aufgefordert werden, anonym 60 per E-Mail gesendete Fragen zu beantworten. Der Vertrauensindex der EHL liegt bei 73 %. Das bedeutet, dass die Mehrheit « zustimmt » oder « weitestgehend zustimmt », dass die EHL ein grossartiger Arbeitsplatz ist. Es macht einen grossen Unterschied, wenn die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz als « den besten » einstufen. 9 von 10 Mitarbeitern erklären, dass sie stolz darauf sind, anderen zu erzählen, dass sie für die EHL arbeiten. 8 von 10 sagen, dass sie den « Bürgerbeitrag » des Unternehmens schätzen.

Schliesslich bietet GPTO eine Art Coaching-Ansatz, bei dem Sie Ihre Unternehmensergebnisse gezeigt bekommen und Hilfe bei der Analyse der 5 Fragen-Kategorien erhalten: Glaubwürdigkeit, Respekt, Fairness, Stolz und Kollegialität. Durch die jährliche Zusammenarbeit mit ihnen sehen wir die erzielten Verbesserungen und die Steigerung unseres Vertrauensindex. Es ist ein wertvoller Einblick in die Ergebnisse der Reaktionen unserer Mitarbeiter auf ihren Arbeitsplatz.

Allgemeine Tipps für alle Arbeitgeber

Die Schaffung von Empathie und Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung sollte die Grundlage für jedes Unternehmen sein. Offen für Kommunikation zu sein, ein offenes Ohr für Mitarbeiter-Feedback und Probleme zu haben, bereit zu sein, Probleme des Personals ernst zu nehmen und Antworten zu finden. Bereitschaft, Änderungen umzusetzen, die einen Unterschied bewirken. Kurz gesagt, die Geschäftsführung sollte sich verpflichtet fühlen, ein vorbildlicher Arbeitgeber zu sein.

Ein weiteres wichtiges Prinzip ist es, den Arbeitsplatz auf allen Ebenen attraktiv zu gestalten. Wir bei der EHL sind stolz darauf, unseren Mitarbeitern besonders grosszügige Vergünstigungen und Vorteile zu gewähren. Wir bieten moderne Arbeitseinrichtungen, bis zu 7 Wochen Urlaub, hochwertige kostenlose Mahlzeiten auf dem Campus, kostenlose Parkplätze, Homeoffice, wo möglich, sportliche und kulturelle Aktivitäten, Wäscherei-Service, Friseursalon, Rabatte auf interne und externen Einrichtungen und EHL-Schulungsprogramme.

Es ist ein Arbeitsplatz, an dem beide, Studenten und Mitarbeiter, dazu ermutigt werden, sich zu entfalten und ihr Potenzial zu entwickeln. Ziel ist es, die Menschen dazu zu bewegen, morgens gerne aufzustehen und zur Arbeit kommen!

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Wie man an der Spitze bleibt

Dies ist wahrscheinlich eine der Fragen, die mir am häufigsten gestellt wird! Ja, es ist auf jeden Fall wichtig, an der Spitze zu bleiben und nie selbstgefällig zu werden. Wenn es um die EHL geht, kann ich nur sagen, dass es einfach in der Natur der Hotelfachschule liegt, immer zukunftsweisend zu sein. Die Schule wurde mit diesem innovativen Pioniergeist gegründet und oft als eine Art von Einrichtung gesehen, in der die Dinge « als erstes » geschehen.

Immerhin war sie im Jahr 1893 die erste Schule ihrer Art! Danach war sie die erste, die auch Studentinnen akzeptierte, Praktika in das Programm aufnahm, das Programm in englischer Sprache anbot, die HESSO-Akkreditierung erhielt... Ich könnte noch fortfahren! Wir haben uns nie auf unseren Lorbeeren ausgeruht. Der Erhalt der Bilan-Auszeichnungen 3 Jahre in Folge bestätigt die Tatsache, dass die EHL ein spannendes berufliches Zentrum ist, in dem Menschen gerne arbeiten, lehren, studieren und Ideen austauschen möchten. Das Zusammenspiel von Zusammenarbeit und Expansion mündete in unserem Master-Programm, das vor vier Jahren infolge eines Ideenaustauschs mit den Universitäten von Houston und Hongkong ins Leben gerufen wurde, ganz zu schweigen von der Schaffung des EHL Innovationsdorfs, des Forschungsinstituts und der Universitätsgelände in Passugg und Singapur.

Ein weiterer wichtiger Faktor, um an der Spitze zu bleiben, ist, nie aufzuhören, sich zu fragen: « Was könnten wir besser oder anders machen? » Wie können wir uns verbessern? Es ist wichtig zu wissen, wie man sich an den Wandel der Zeit anpassen kann. Schauen Sie sich nur an, wohin die Bildung in diesen Zeiten nach COVID 19 hinführt – die EHL hat das HyFlex-Lehrmodell innerhalb von wenigen Tagen eingeführt und strebt bereits eine vollständige Digitalisierung seiner Programme auf einem virtuellen Campus an.

Seit Jahren wird die Schule von vielen kopiert und nachgeahmt. Sicherlich ein Zeichen dafür, dass die EHL das Richtige tut!? Es ist weit besser, kopiert zu werden als zu kopieren.

Grösste Errungenschaften

Während meiner Tätigkeit in den vergangenen sieben Jahren bei der EHL bleiben viele Aspekte nach meiner Einschätzung nach wie vor wichtig. Ich weiss zum Beispiel, dass unser Mindestlohn weit über dem von anderen Unternehmen liegt, woraus sich ein Mindestlohn von mehr als 4.200 CHF x 13 selbst für die einfachsten Jobs ergibt. Durch unseren « Familienservice » bieten wir berufstätigen Eltern Hilfe an, um ihre Kinder in der am besten geeigneten Kinderbetreuung unterzubringen.

Jedes Jahr im Juni, am Ende des Studienjahres, veranstalten wir die besondere « Danksagungswoche », bei der Aktivitäten bereitgestellt werden, um Mitarbeitern für ihren aussergewöhnlichen Beitrag im Rahmen ihrer Aufgaben und für die Schule zu danken. Diese kleinen Gesten sind nicht nur festlicher Akt, sondern ein Ausdruck unserer Dankbarkeit gegenüber unseren fleissigsten Mitgliedern.

Ich bin besonders stolz auf die Art und Weise, wie die EHL die COVID -19-Krise meisterte, vor allem im Hinblick auf die Kurzarbeit (RWT = Reduzierung der Arbeitszeit*), bei der bestimmte Gehälter auf 80 % gekürzt werden sollten. Dies betraf Mitarbeiter, die aufgrund ihrer Berufe nicht zu Hause arbeiten konnten, z.B. Bar- und Reinigungspersonal. 20 % Gehaltskürzung erschien nicht akzeptabel, weshalb der Vorstand zusammen mit Mitgliedern der erweiterten Geschäftsführung die Einführung einer freiwilligen Gehaltskürzung beschloss, um die niedrigeren Gehälter in vollem Umfang auszahlen zu können. Dies ist die Art von Geste, die dazu beiträgt, eine Vertrauensbasis und Empathie aufzubauen. Wir bei der EHL sind bestrebt, die besten Lösungen für unsere Mitarbeiter zu finden.

* Reduzierung der Arbeitszeit während des Lockdowns.

Verfasst von

EHL Chief Culture & Marketing Officer

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