Unternehmensführung
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Basieren Ihre Entscheidungen auf den richtigen Informationen?

Avik Bhattacharya
Verfasst von

Dieses klassische Sprichwort ist uns allen in irgendeiner Art und Weise bereits einmal begegnet: Die Qualität der gegebenen Informationen bestimmt die Qualität unserer Entscheidungen.
Fortschritte in Technologie und Konnektivität haben das Spielfeld für Unternehmen und Organisationen in ihrem Streben nach der Informationsgewinnung ausgeglichen. Grosse Konzerne unterscheiden sich von den anderen durch ihre Fähigkeit, Daten in Informationen zu verwandeln, welche nicht übersehen werden können.

“In any decision situation, the amount of relevant information available is inversely proportional to the importance of the decision” - Paul Dickson, Autor.

Wenn wir den Entscheidungsprozess in seiner simpelsten Form aufbrechen, handelt es sich um einen Zwei-Phasen-Prozess: In der ersten Etappe geht es darum, die richtigen Informationen zu sammeln und in der zweiten darum, was man anschliessend mit ihnen macht. Die richtigen Beschlüsse offenbaren sich, wenn man mit einem ehrlichen und gewissenhaften Vorgehen zur Ermittlung der Wahrheit beginnt. Aber, wie können wir sicherstellen, dass wir die "richtigen" Informationen haben, bevor wir eine Entscheidung treffen?

Dieser Artikel wurde von Jim Collins' Buch "Good to Great" inspiriert und soll ein Umfeld schaffen, in welchem individuelle Standpunkte ausgetauscht werden und die ganze Wahrheit zu Wort kommt. Diese «Best Practices» können sich sowohl für Sie als auch für Ihre Organisation als von Vorteil erweisen:

1. Führen Sie mit Fragen, nicht mit Antworten

Führung bedeutet nicht, alle Antworten zu präsentieren und dann Ihr Team zu motivieren, ihnen zu folgen. Sondern: die Bescheidenheit zu haben, zu akzeptieren, dass Sie nicht alle Fragen vollständig beantworten können. Sie müssen jedoch die richtigen Fragen stellen, welche zu den bestmöglichen Erkenntnissen führen.

Das Fragenstellen setzt den Lernprozess in Gang und verbessert die zwischenmenschlichen Beziehungen. Informelle Treffen zwischen Management und Mitarbeitenden, bei welchen Fragen wie "Können Sie mir dabei helfen XY zu verstehen?" und " Was sollte uns beunruhigen?" gestellt werden, können dazu beitragen, aktuelle Probleme frühzeitig aufzudecken. Gute Fragen werden so formuliert, dass der Gesprächspartner beginnt zu erzählen - nicht nur zu antworten.

"Erst wenn man den anderen versteht, kann man verstanden werden", Dr. Stephen R. Covey, Author von Die 7 Wege zur Effektivität: Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg.

Fragen und durchdachte Antworten fördern eine reibungslose und effiziente Kommunikation. Sie stärken die Zusammenarbeit und das Vertrauen und führen zur Erkenntnis.

 

2. Führen Sie Gespräche und Diskussionen und üben Sie keinen Druck aus

Studien zeigen, dass Führungskräfte in den 1960er Jahren weniger als 10 Stunden pro Woche in Besprechungen verbrachten, während heutige Führungskräfte etwa 23 Stunden pro Woche für Sitzungen beansprucht werden. Eine Untersuchung der Harvard Business Review ergab, dass 71% der führenden Manager die meisten Besprechungen für "unproduktiv und ineffizient" hielten. Positive und ideologische Gespräche und Diskussionen können zur erfreulichen Veränderung von Sitzungen und Konferenzen beitragen, indem sie die Produktivität und das Engagement des Teams steigern.

Nucor wandelte sich 1965 von einem kultur- und ziellosen Unternehmen  zu einem der am besten geführten Stahlunternehmen in den USA und zum zwölftgrössten Stahlproduzenten der Welt, indem es die richtigen Leute an Bord holte und Debatten zur Entwicklung der Unternehmensstrategie nutzte.

 

3. Obduktionen ohne Schuldzuweisungen durchführen

Der Zigarettenhersteller Phillip Morris brachte 1978 die Marke 7UP für 520 Millionen Dollar Einstiegspreis auf den Getränkemarkt. Die starke Konkurrenz von Coca-Cola und Pepsi zwang das Unternehmen 1984 schliesslich dazu, die Marke 7UP mit grossen Verlusten zu verkaufen. Die Führungskräfte von Phillip Morris diskutierten offen über die gesamte Problematik und suchten nach Ursachen für das Scheitern, anstatt Sündenböcke zu nennen. Der damalige CEO, Joe Cullman, deutete in seinem Buch "I'm a Lucky Guy" an, dass er auf die Leute hätte hören sollen, die seine Entscheidung, 7UP zu kaufen von vornherein in Frage gestellt haben.

In einer Ära, in der Führungskräfte grosse Sorgfalt walten lassen, um das Bild ihrer eigenen Erfolgsbilanz zu bewahren, geben Manager wie Joe Cullman einen positiven Ton an: "Ich werde die Verantwortung für diese schlechte Entscheidung übernehmen. Aber wir alle werden die Verantwortung dafür übernehmen, das Maximum aus dem Fehltritt zu lernen". Die Durchführung von Obduktionen ohne Schuldzuweisung trägt entscheidend dazu bei, ein Umfeld zu schaffen, in dem die Wahrheit zu Wort kommt.

 

4. Aufbau des "Red Flag”-Mechanismus

Bruce Woolpert, CEO von Graniterock, einem Unternehmen für Bauprodukte, führte eine "Short Pay"-Politik ein, um die Qualitätswahrnehmung der Kunden zu verstehen. Sie überliessen es dem Kunden, nach eigenem Ermessen zu entscheiden ob und wie viel er bezahlen möchte. Grundlage dafür war seine subjektive Einschätzung der Zufriedenheit mit einem Produkt oder einer Dienstleistung. Kunden müssen das Produkt nicht zurückgeben oder Graniterock um Erlaubnis bitten. Sie kreisen einfach den beanstandeten Artikel auf der Rechnung ein, ziehen ihn von der Gesamtsumme ab und überweisen den entsprechenden Restbetrag.

"Sie können viele wertvolle Informationen aus Kundenumfragen gewinnen, aber es gibt immer Möglichkeiten, diese zu ignorieren. Mit «Short Pay» gibt es keinen Ausweg. Sie merken erst dann, dass ein Kunde verärgert ist, wenn Sie diesen bereits verloren haben. “Short Pay” fungiert als ein Frühwarnsystem, welches uns dazu zwingt, uns anzupassen, lange bevor wir Kunden verlieren würden. "

Sehen Sie das Potenzial für die Einführung einer dieser Vorgehensweisen in Ihrer Organisation? Es ist zu bedenken, dass ein Prozess oder eine Methodik, die für eine Organisation geeignet ist, nicht unbedingt auch unverändert für eine andere übernommen werden kann. Die Fähigkeit einer Organisation, sich an das dynamische Umfeld, in dem sie tätig ist, anzupassen, entscheidet über deren zukünftigen Erfolg. Deshalb kann die Wichtigkeit der richtigen Informationen zur Unterstützung von Geschäftsentscheidungen nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sobald Sie die entsprechenden Mitarbeitenden in Ihrer Organisation mit den erforderlichen Informationen ausgestattet haben, ist die Entwicklung Ihrer Ziele und Strategien eine Selbstverständlichkeit.

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