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Flipped Classroom: Mit digitalen Medien zu besseren Lernerfolgen

EHL Insights
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Die Digitalisierung macht auch vor dem Klassenraum keinen Halt. Dabei standen Studierende noch nie so viele unterschiedliche Informationsquellen und Lehrmaterialien zur Verfügung wie heute. Ganz gleich, ob Mathematik, Betriebswirtschaft oder Fremdsprachen, die Anzahl an Videos, Podcasts und Blogs scheint schier unendlich zu sein. Zusätzlich entstehen immer mehr interaktive Lernplattformen, auf denen sich Wissbegierige auch ausserhalb der Schule näher mit dem Lehrstoff auseinandersetzen können.

Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass der klassische Frontalunterricht immer häufiger starker Kritik ausgesetzt ist. Veraltete Bücher, starre Vorträge und repetitive Hausaufgaben lassen Studierende nur wenig Spielraum für Kreativität und gelten schlichtweg als nicht mehr zeitgemäss. Ein neuer Ansatz, der stetig mehr Anhänger findet, ist das sogenannte Flipped Classroom Konzept. Doch was verbirgt sich hinter diesem Schlagwort, wie lässt sich der Ansatz in der Praxis anwenden und welche Vor- und Nachteile weist die Methodik auf?

Was ist ein Flipped Classroom?

Bei Flipped Classroom handelt es sich um eine spezielle Art des sogenannten Blended Learnings. Hierbei erhalten Studierende eine Aufgabe oder Fragestellung und bereiten sich im ersten Schritt in Eigenregie auf das Thema vor. Die Lehrperson stellt den Studierenden zusätzlich Lehrmaterialien wie beispielsweise Videos oder Artikel zur Verfügung, die als Einstiegspunkt in das Thema dienen.

In der Unterrichtsstunde wird der erarbeitete Lernstoff dann geübt. Das Üben kann allein oder in der Gruppe erfolgen. Auch Projektarbeiten sind möglich. Zudem haben die Studierenden die Option, Dinge, die sie nicht verstanden haben, im Unterricht nachzufragen. Die Lehrkraft ist somit dafür verantwortlich, Lücken zu schliessen. Etablierte Muster des Frontalunterrichts lassen sich so effizient auflösen. Die traditionellen Hausaufgaben werden in der Schule erledigt.

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Wie verändert das Flipped Classroom Konzept den Schulalltag?

Das Konzept der Flipped Classrooms stammt ursprünglich aus den USA, gewinnt jedoch auch im europäischen Raum zunehmend an Bedeutung. Das ist insbesondere dem Umstand geschuldet, dass immer mehr Studierende Zugang zu digitalen Medien haben, um unterschiedliche Informationsquellen abzurufen.

Die aktive Auseinandersetzung mit dem Lehrstoff stärkt das Verständnis und vereinfacht es, neues Wissen mit bestehenden Informationen zu verknüpfen. Dies ermöglicht ein nachhaltiges Lernen und fördert gleichzeitig die Neugier und die Motivation. Zusätzlich lassen sich im Präsenzunterricht verschiedene Lernmethoden miteinander kombinieren. Durch den Wegfall des Frontalunterrichts bleibt genügend Zeit für Diskussionen, Projektarbeit und Gruppenarbeit. Der Lehrer übernimmt die Expertenrolle und unterstützt seine Studierenden als Coach. Dies stärkt den Wissensaufbau und schafft Raum dafür, höhere Lernziele zu erreichen.

Was macht das Konzept so attraktiv?

Im traditionellen Unterricht bleibt oft wenig Zeit für Diskussionen und die Anwendung des neuen Lehrstoffs. Das Üben ist meist lediglich in Form von Hausaufgaben vorgesehen, wobei die Studierenden auf sich allein gestellt sind. Studierende, die über ein engagiertes Elternhaus verfügen, haben den Vorteil, dass die Eltern oftmals die Aufgabe der Lehrer übernehmen, mit den Jugendlichen Wissenslücken schliessen und Fragen beantworten. Studierende, deren Eltern weniger Engagement zeigen, haben vielfach das Nachsehen.

Beim Flipped Classroom Konzept wird diese Ungleichheit aufgehoben. So geben Lehrende ihren Studierenden konkrete Fragestellungen zu Themenbereichen und stellen ihnen gleichzeitig passende Videos, Podcasts und Artikel zur Verfügung, mit denen sie die Fragen selbstständig beantworten können. Es ist somit ein roter Faden erkennbar, dem die Studierenden auch ohne Unterstützung der Eltern folgen können. Tauchen bei der Erarbeitung des Lehrstoffs Fragen auf, können diese im Unterricht gestellt und diskutiert werden.

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Flipped Classroom Pro und Contra

Der innovative Lernansatz bietet zahlreiche Vorteile, die das Potenzial haben, herkömmlichen Schulunterricht nachhaltig zu verändern. Der Ansatz birgt jedoch auch Herausforderungen und Bedarf einer guten Planung und Vorbereitung. Besonders für Lehrende gilt es, die Vorbereitungsphase in den Alltag zu integrieren und fortlaufend interessante Lehrmaterialien zu finden und diese passend aufzubereiten.

Vorteile des Konzepts

Neuer Lernstoff lässt sich im eigenen Tempo erarbeiten. Zudem können Studierende selbst entscheiden, wo und wann sie lernen möchten. Auch die Lehrmaterialien lassen sich individuell an die Jugendlichen anpassen. So ist es möglich, Videos mit kurzen Artikeln oder Büchern zu kombinieren. Im Gegensatz zum klassischen Frontalunterricht können die Studierenden Videos oder Podcasts jederzeit stoppen, zurückspulen und erneut ansehen. Auch die Anfertigung eigener Notizen und die Gestaltung von individuellem Lernmaterial ist möglich.

Die Studierenden erhalten dadurch mehr Verantwortung und erlangen ein höheres Mass an Eigenständigkeit. Auch Erfolgserlebnisse, die durch das Lösen von Aufgaben und Fragestellungen entstehen, sind oftmals höher als bei bekannten Ansätzen.

PROS

  • Höherer Interaktionsgrad
  • Einfacheres Nacharbeiten des Lernstoffs bei Krankheit
  • Kombination aus digitalem und klassischem Lernen
  • Mehr Zeit für Einzelgespräche und Feedback
  • Gezielte Unterstützung bei Defiziten
  • Lernen im eigenen Tempo
  • Wissenslücken werden schneller sichtbar

Nachteile des Konzepts

Kritiker der Methode sehen keinen unmittelbaren Vorteil. Dabei wird hervorgehoben, dass es sich bei dem Flipped Classroom Ansatz um kein durchgängiges Unterrichtskonzept handelt. Zudem bringt die Methode auch Nachteile. So profitieren überwiegend Studierende, die auch in den eigenen vier Wänden umfassenden Zugriff auf digitale Medien haben.

Für Pädagogen bedeutet der Ansatz wiederum einen nicht unerheblichen Mehraufwand. Die Lehrkräfte müssen die passenden Videos, Podcasts und Artikel erstellen oder im Internet recherchieren und auf Qualität prüfen. Auch die Gefahr der Ablenkung während der eigenen Lehrstofferarbeitung ist hoch. Viele Studierende sind mit dem Konzept zudem überfordert, wodurch eine durchgängige Kontrolle notwendig wird.

CONTRAS

  • Hoher Zeitaufwand zur Erstellung und Recherche der Lernvideos
  • Längere Vorbereitungsphase
  • Gefahr der Passivität durch erlerntes Konsumentenverhalten

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Tipps und Tricks für den Einstieg in den Flipped Classroom Unterricht

Für den optimalen Einstieg eignen sich kleine Themenbereiche, die nicht zu viel Zeit in Anspruch nehmen. Die zur Verfügung gestellten Videos müssen hierbei nicht perfekt sein. In der Anfangsphase sollte auch mehr Zeit für Feedback eingeplant werden. Die Rückmeldungen der Studierenden helfen dabei, den Unterricht laufend anzupassen und schlussendlich ein effektives und individuelles Vorgehen zu erschaffen, dass sowohl den Studierenden als auch den Lehrenden einen echten Mehrwert gibt.

Besonders wichtig sind hierbei der sukzessive Kompetenzaufbau und das gemeinsame Erreichen von Zielen, die den Lernprozess positiv beeinflussen können.

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Fazit

Dem Flipped Classroom gehört die Zukunft. Das Konzept gibt Studierenden Eigenverantwortung und motiviert sie dazu, sich selbstständig mit dem Lernstoff zu beschäftigen. Dabei haben besonders leistungsschwache Studierende die Chance, sich im eigenen Tempo mit den Themenbereichen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig können die individuellen Lernphasen zu selbst gewählten Zeitpunkten stattfinden. Das verbessert die Aufmerksamkeit und hebt die Motivation. Zudem lassen sich unterschiedlichste Endgeräte einsetzen, sodass der Lehrstoff beispielsweise auch auf der Zugfahrt oder im Park behandelt werden kann.

Erfolgsentscheidend sind jedoch die Aufgabenstellungen und die Unterrichtsmaterialien der Lehrkraft. Perfekt zusammengestellt, wecken die Inhalte die Neugier der Studierenden, sodass diese sich freiwillig und spielerisch mit den einzelnen Themen befassen. Das reine zur Verfügung stellen von Vorträgen, die auf Video aufgezeichnet wurden, weckt jedoch lediglich passives Konsumentenverhalten, wodurch die initiale Idee des Flipped Classrooms nicht ihre volle Wirkung erzielen kann.

 

 
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