Bildungstrends
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Vor- und Nachteile von Technologie im Unterricht

Anouk Tenten
Verfasst von

Technologie ist bereits seit Jahren Teil vom Bildungswesen. Jedoch hat der technologiegestützte Unterricht durch die Covid-19-Pandemie einen grossen Aufschwung erhalten.
Dieser Artikel befasst sich mit den Vor- und Nachteilen von Technologie im Klassenzimmer.

Umfragen unter Studierenden zeigten, dass sie sich klassischen Unterricht zurück wünschten: ihre Mitschüler treffen und sich miteinander unterhalten, anstatt auf einen Bildschirm zu starren. Lehrkräfte haben mitgeteilt, dass sie unter einer gewissen Technologiemüdigkeit leiden. Anstatt eine passende Lösung hierfür zu finden, wünschen sie sich den "normalen" Unterricht zurück.

Es wird nicht behauptet, dass Online-Unterricht besser ist als Präsenzunterricht. Jedoch kann mit Hilfe der richtigen Technologien eine ideale Lernumgebung kreiert werden. Was machen wir also falsch und wieso leiden wir unter dieser Technologiemüdigkeit? Auf diese Frage wird in diesem Blog näher eingegangen.

Digitale Bildung: Wie können Sie Ihre Bildungseinrichtung umgestalten? Ein Fahrplan für Bildungsexperten

Unterrichten mit Video

Videos sind fesselnd, sie schränken die Menge an Lesematerial ein und beschleunigen die Vermittlung von Inhalten. Wenn sie gut gemacht sind, helfen sie auch beim Verständnis komplexer Sachverhalte und können unterhaltsame und interessante Lernerfahrungen vermitteln. Obwohl es bereits viele gute Videos gibt, die Ihr Lernmaterial unterstützen können, ist es heutzutage recht einfach, eigene Videos zu erstellen. Auch wenn man nicht unbedingt im Besitz vom teuersten High-Tech Material ist.

Wenn Sie Ihr eigenes Video erstellen, müssen Sie allerdings einige technische Massnahmen treffen, um langweilige Formate, schlechten Ton oder schlechte Bildqualität zu vermeiden. Bei einer schlechten Produktion besteht nämlich die Gefahr, dass das Video nicht den gewünschten Nutzen bringt.


Hier sind ein paar gute und günstige Tools zur Videoerstellung für Lehrpersonen:

  • Praktisch alle Mobiltelefone oder Computer-Softwarepakete verfügen heute über eine Funktion zur Videoaufnahme. Diese Programme haben meist keine umfassenden Bearbeitungsmöglichkeiten, erfüllen aber die Grundanforderungen ausreichend. Stellen Sie sicherstellen, dass die Kamera das richtige Bild aufnimmt und die Tonqualität gut ist.
  • Camtasia, ein einfaches Tool. Es enthält eine grosse Auswahl an grundlegenden Bearbeitungs- und Animationsfunktionen, die einfach anzuwenden sind.  
  • Vimeo, macht die Videoerstellung leicht und macht gleichzeitig Spass. Das Tool hat viele Beispiele und Vorlagen, die Ihnen Ideen und Inspiration verschaffen. 

Achten Sie auch darauf, dass Sie ein Format nicht überstrapazieren und ständig Videos verwenden. Berücksichtigen Sie, wofür das Video verwendet wird: Soll es etwas ersetzen, etwas hinzufügen, das Verständnis oder das Engagement erhöhen? Ein einfacher Audiobeitrag, ein Podcast, eine Referenz oder eine Diskussion als Mittel zur Vermittlung von Lerninhalten bleibt immer noch empfehlenswert.

PROS

  • Videos sind fesselnd und machen Spass, sie regen mehr Sinne an und können das Lernen dadurch auf verschiedenen Ebenen verbessern.
  • Videos können helfen, schwierige Themen visuell zu erklären.
  • Videos verkürzen die Lesezeit und ermöglichen es Ihnen, asynchron zu unterrichten.


CONTRAS

  • Die Erstellung eines qualitativ hochwertigen Lehrvideos kann sehr zeitaufwändig sein.
  • Ein Overkill an Videoinhalten ist nicht das, was Studierende wollen; schlechte Videos sind sogar noch ablenkender.
  • Wenn sie nicht gut eingesetzt werden, haben Videos nicht immer einen signifikanten Einfluss auf das Lernen.

 

Beste Tools und Plattformen für den Unterricht: Wir bringen Licht ins Dunkle

Padlet, Google Doc, Miro, Canva, Poll Everywhere, Quizlet, MS Team, Skype, Zoom - die Nutzung von digitalen Tools und deren Integration in unseren täglichen Unterricht ist explodiert. All diese neuen Programme brauchen nicht nur Zeit, um sie zu verstehen und zu integrieren, sondern können auch verwirrend sein für die Studierenden. Variationen sind gut, aber es ist wichtig, dass wir eine gewisse Konsistenz bei der Auswahl der Tools für die Bewertung, Kommunikation und Diskussion schaffen. Wenn Sie die Struktur und Konsistenz der integrierten Tools in Ihrem Learning Management System (LMS) beibehalten, geht weniger Zeit für die Erforschung neuer Tools verloren. Wenn ein Tool die gleiche Funktionalität hat, sollten Sie nicht nach Alternativen suchen. Treffen Sie eine Entscheidung darüber, welches Tool für welche Funktion am besten geeignet ist, und teilen Sie es unter den Lehrkräften auf. Oder noch besser, lassen Sie das Management entscheiden, welche Tools verwendet werden und welche nicht.
Auf diese Weise lassen sich auch grössere Unterschiede zwischen den Lehrmethoden von technisch versierten Lehrkräften und jenen vermeiden, die sich mit der Verwendung von MS Teams für eine online Gruppenbesprechung schwer tun. In diesem Fall wird die Technologie wirklich als unterstützendes Element und nicht als störendes Werkzeug zur Verbesserung der Lernergebnisse eingesetzt. Das bedeutet, dass Sie so wenig Zeit wie nötig aufwenden müssen, um das Rad neu zu erfinden.

PROS:

  • Kreativität und Vielfalt in der Kommunikation und Gruppenarbeit können das Lernen verbessern.
  • Einige Tools haben sich in dieser Zeit des Fernunterrichts als unerlässlich erwiesen und ermöglichen asynchronen und synchronen Unterricht.
  • Die Tools ermöglichen verschiedene Arten der Bewertung und könnten gut in das Konzept des aktiven Lernens passen.


CONTRAS:

  • Neue Tools erfordern Zeit und Investitionen. Einige Programme stellen in den kostenlosen Versionen nur eingeschränkte Funktionen zur Verfügung.
  • Wenn das Tool für das, was erreicht werden soll, nicht unerlässlich ist, können wir es generell in Frage stellen.
  • Der Overkill an Online-Quizzen und Padlets hat den Überraschungseffekt und die Zusammenarbeit von Enthusiasten schnell zunichte gemacht.
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Unterm Strich: Technologie-Investitionen im Klassenzimmer kosten Zeit und Geld

Lehrer verbringen viel Zeit mit Arbeiten "ausserhalb" des eigentlichen Unterrichts: Technologie hat das Potenzial, bei sich wiederholenden oder nicht kernbezogenen Aufgaben Zeit zu sparen. Ganz gleich, ob wir das Potenzial in einem automatisierten Markierungstool, in der Nutzung digitaler Inhalte zur Wissensvermittlung, Videokonferenzen von zu Hause aus oder in der Wiederverwendung vorgefertigter Aktivitäten in einer digitalen Umgebung suchen - alles in allem gibt es ein riesiges Potenzial und eine grosse Vielfalt, um tatsächlich Zeit und Geld zu sparen. In vielen Umgebungen hat Covid-19 die variablen Kosten noch stärker an die Oberfläche gebracht. Die Technologie könnte dazu beitragen, die "versteckten" Kosten zu senken.

Doch bevor es dazu kommt, bedarf es einer enormen Investition an Zeit, Geduld und Geld. Bevor eine neue Technologie eingesetzt werden kann, muss sich jeder Lehrer in die Materie einarbeiten, üben und sich mit dem Einsatz der Technologie im Unterricht vertraut machen. Oft wird keine zusätzliche Zeit zur Verfügung gestellt, kompensiert oder es ist einfach keine Zeit vorhanden, um in das Verständnis und die Nutzung neuer Technologien zu investieren. Daher ist es enorm wichtig, bei der Einführung eines neuen Tools oder Dienstes zwischen "nice-to-have" und "essentiellem Nutzen" zu unterscheiden.

Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Programm und seiner Implementierung ist es auch wichtig, dass das Tool benutzerfreundlich ist und dass die Technologie und die Benutzerunterstützung entweder durch den Anbieter oder durch Ihr internes IT-Supportteam gewährleistet ist. Steht beides nicht zur Verfügung, sollten Sie Ihre Zeit für die Erforschung neuer Tools und Systeme begrenzen, da dies letztendlich nicht zu Geld- oder Zeiteinsparungen führt.

Veränderungen und Verbesserungen erfordern Zeitinvestitionen und Unterstützung auf allen Ebenen. Es wird zu weniger Frustrationen und Unklarheiten führen, wenn Sie zuerst wissen, warum Sie die Investition (Geld oder Zeit) tätigen. Dies wird sich auch positiv auf die Studierenden auswirken, denn wenn klar ist, warum bestimmte Entscheidungen getroffen und Veränderungen durchgeführt werden, werden auch sie die Vorteile spüren.

PROS

  • Technologie kann Zeit und Ressourcen sparen.
  • Technologie kann Dozierenden helfen, sich mehr auf ihre Kernaufgaben zu konzentrieren.
  • Die richtige Einrichtung und die richtigen Werkzeuge verbessern das Lernumfeld für Lehrpersonen und Studierende.

CONTRAS

  • Es kostet Zeit und Geld, kontinuierliche Unterstützung und Aktualisierungen.
  • Digitale Ressourcen erfordern Unterstützung und Verständnis, bevor sie funktionieren.
  • Aufgrund der Technologie wird die Rolle der Lehrperson anders bewertet und überwacht, und wenn sie nicht angepasst wird, kann dies die Qualität beeinträchtigen.

Technologie ermöglicht die ortsunabhängige Zusammenarbeit 

Es ist klar, dass alle technologischen Strategien im Unterricht nicht immer einen Unterschied bei den Lernergebnissen machen, geschweige denn das Lernen der Studierenden verbessern. Technologie macht keine besseren Schülerinnen und Schüler, und leider macht sie auch keine besseren Lehrpersonen. Sie könnte sogar das Gegenteil bewirken.

Daher befindet sich der Bildungssektor in einer einzigartigen Situation, da der Fernunterricht im akademischen Jahr 2019/20, als die Pandemie ausbrach, durchgesetzt wurde und in den meisten Ländern (in denen Covid-Beschränkungen gelten oder in denen die Studierenden noch nicht reisen konnten) immer noch läuft. Wenn wir die Technologie nicht zu einem störenden Zweck annehmen und integrieren, müssen wir zumindest sicherstellen, dass sie uns in unserer Lehrpraxis unterstützt.

So gibt es beispielsweise Technologielösungen, die uns bei onlien Meetings mit unseren Studierenden grosse Vorteile verschaffen und die Zusammenarbeit fördern. Hier sind einige Beispiele der besten technischen Lösungen für die digitale Zusammenarbeit:

  • MS-Team Breakout Räume
  • Gemeinsame Google Dokumente
  • verstärkte Diskussionen über LMS-Kommunikationstools
  • integriertes Video, um das Vortragen und Lesen zu reduzieren


Technologie kann immer noch etwas Sinnvolles beitragen, unabhängig davon, ob Sie gezwungen sind, aus der Ferne zu unterrichten oder ob Sie wieder im Klassenzimmer sind. Richtig eingesetzt, kann sie das Engagement und die Motivation steigern, die Perspektive auf neue Online-Quellen erweitern, das schülerzentrierte Lernen unterstützen und die digitale Kompetenz der Studierenden fördern. Technologie im Klassenzimmer bedeutet, dass die Schülerinnen und Schüler neue Wege der Recherche, des Sammelns von Quellen, der Zusammenarbeit, der Dokumentation, der Kommunikation, der partizipativen Medien usw. kennen lernen.

Technologie, die kein klares Ziel verfolgt, weder zum eigenen Nutzen noch zum Nutzen der gesamten Organisation, sollte nur wenig Beachtung finden, solange sie nicht in eine Gesamtstrategie eingebettet ist.


PROS

  • Unterricht, der sonst nicht möglich gewesen wäre.
  • Die Technologie hat unseren Horizont erweitert, sie hat uns weltweite Kommunikation, Zusammenarbeit und gemeinsame Nutzung von Ressourcen ermöglicht, was während der Pandemie physisch nicht möglich war.
  • Aufgrund des grossen Wandels haben wir die Notwendigkeit, traditionelle Bildungsumgebungen zu verändern, beschleunigt.


CONTRAS

  • Die Technologie kann zu mehr Einsamkeit, Isolation, digitaler Diskriminierung und anderen Auswirkungen führen, die wir nicht geplant haben.
  • Wir sind unsicher, ob und wie wir die Technologie sinnvoll integrieren können, wenn sich unsere Situation wieder normalisiert hat.
  • Wir haben vielleicht viel Zeit und Energie für Dinge aufgewendet, die weder das Lernen verbessert noch die Kosten gesenkt oder die Effizienz erhöht haben.

 

Ist es richtig, Technologie im Unterricht einzusetzen?

Technologie hat grosses Potenzial für die Bildung, aber sie macht nur dann einen signifikanten Unterschied, wenn sie "richtig" eingesetzt wird und/oder wenn die Strategie der Organisation eine klare Begründung für den Einsatz der Technologie liefert.

Wenn die Technologie nicht richtig eingesetzt wird oder eine klare Begründung fehlt, ist es verständlich, dass viele Lehrkräfte zu den "alten Zeiten" zurückkehren möchten, da die neuen Rahmenbedingungen weder die Lernenden noch die Lehrkräfte zufrieden stellen. Ein Fehler für Pädagogen und Schulleiter könnte darin bestehen, zu denken: Was kann ich mit der Technologie tun? Diese Frage wird höchstwahrscheinlich zu Unzufriedenheit führen, im Gegensatz zu der Frage "Was kann diese Technologie für mich tun?". Diese Frage kann die Vorteile hervorbringen, die für eine erfolgreiche Integration der Technologie in den Unterricht erforderlich sind, und die in diesem Artikel beschriebenen Nachteile abmildern.

 
Verfasst von

Senior Project Manager Sales and Digital Channels EHL Group

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